Kunst in der Therapie
Erfahrungsbericht aus der ergotherapeutischen Praxis
In der Kunsttherapie steht das Erleben, das Erfahren der eigenen Gefühle im Mittelpunkt. Gefühle haben es aber nicht so einfach mit uns. Wir nehmen Gefühle oft nicht wahr, stufen sie als unwichtig ein oder verdrängen sie, packen sie an eine weit weg liegende Stelle.
Gefühle haben aber ein Eigenleben. Unterdrücktes kommt irgendwann, vielleicht auch in anderer Form, an die Oberfläche. Manchmal so, dass wir überrumpelt werden davon. Nicht verstehen, warum gerade in dieser anscheinend eher gewöhnlichen Situation Ängste auftauchen oder uns die Tränen kommen.
Eine Klientin kam bereits einige Male in die Kunsttherapie. Sie war über ihre momentane Lebenssituation verzweifelt. Öfter erzählte sie darüber, dabei standen ihr die Tränen zuvorderst. Aber sie schluckte sie immer herunter. Gleichzeitig erwähnte sie, dass sie nie weinen könne. Ich bot ihr an sich ein Bild davon zu machen.
Wir breiteten ein großes Blatt Papier auf dem Boden aus. Ich stellte ihr Flaschen mit Flüssigfarbe hin. Sie solle eine Farbe nehmen, zu dem was sie gerade fühlt und dann die Farbe von der Tube aus auf das Papier klatschen lassen. Nach dem ersten Erstaunen und Zögern, wählte sie schwarz. Schon bei den ersten Farbtupfern die auf das Papier flossen, fing sie an zu weinen und hörte auch nicht auf bis fast ein Liter schwarz auf dem Papier war.
Wir redeten darüber. Jetzt flossen auch die Worte anders. Dann bat ich sie mit dem was jetzt auf dem Papier ist weiterzuarbeiten. Wieder ein erstes Zögern. Dann zog sie sich Handschuhe über und griff in das Schwarz. Machte weit ausholende Bewegungen. Von außen betrachtet konnte ich nicht erkennen was dies bedeutete. Ich fragte nach. Sie äußerte: „Ich versuche das Schwarz wegzuschieben, aber es wird immer nur noch größer.“ Damit war offensichtlich wie gerade ihr Umgang mit den Gefühlen war und es brauchte an der Stelle gar keine Worte mehr.
Neuer Text


